Grosse Leidenschaft statt big business

Ganz grosse Fussballkunst – ab morgen an 60 Verkaufsstellen in der Schweiz erhältlich.

Ein Luzerner Verein beweist, dass «Tschuttbildli» nicht öde abfotografierte Fussballerköpfe zeigen müssen – und gewinnt eine immer grössere Fangemeinde. Ab morgen sind die tschutti heftli-Sammelbilder wieder erhältlich.

Bis zum Anpfiff zur Fussball-WM in Russland dauert es noch zwei Monate, doch bereits ist die grosse Panini-Sammelwut ausgebrochen: Auf Schulhausplätzen, in Jugendtreffs und in Betriebskantinen tauschen Kinder, Teenager und selbst gestandene Erwachsene eifrig die Fussball-Bildli des italienischen Herstellers, um ihr Album voll zu bekommen.

Wenn sie ihren Spass daran haben: schön.

Schade ist einfach: Sie scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass es aus Luzern eine Alternative zu den Panini-Bildern gibt. So etwas wie die künstlerische Antwort auf Panini. Coole, charmante Sammelbilder, hinter denen echte Leidenschaft fürs runde Leder steht: Die tschutti heftli-Sammelbilder. Seit zehn Jahren gibt es sie schon. Und morgen kommt die Ausgabe 2018 an 60 Verkaufsstellen in der Schweiz – zudem kann man sie unter www.tschuttheftl.li bestellen.

tschutti heftli-Sticker normal und in gross. In sehr gross

520 Sticker sind es dieses Jahr, gestaltet von Illustratorinnen und Zeichnern aus der Schweiz und ihren Nachbarländern – aber auch von Künstlern aus Russland, Kolumbien, dem Iran oder den USA. Ausgewählt wurden sie von einer Wettbewerbsjury, der unter anderem «Pussy Riot»-Frontfrau Nadeschda Tolokonnikowa, der früherer US-Abwehrspieler Alexis Lalas und der österreichische Comiczeichner Nicolas Mahler angehörten. Und abgeliefert haben sie keine öd abfotografierten Spielerköpfe, sondern beeindruckende kleine Kunstwerke zum Sammeln und Einkleben.

Neu waren zusätzlich auch Graphic-Designer aus 20 Nationen am Werk. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Plakatfestival «Weltformat» liess tschutti heftli für jede der 48 WM-Partien einen eigenen Sticker kreieren. Das Ergebnis einerseits: Ein Spielplan zum Einkleben. Andererseits: Sticker in gross. In sehr gross – die Sticker zu den WM-Partien sind nämlich alle auch als Poster erhältlich, einzeln oder als Poster-Heft.

Gebt den Bildli ihren Charme zurück! 

Hinter den Sammelbildern stehen eine Handvoll Luzernerinnen und Luzerner, die sich im Verein tschutti heftli organisiert haben. Sie vermissten den Charme der alten Panini-Bilder, die sie noch aus ihrer Kindheit kannten. Zu stromlinienförmig kamen ihnen die Sammelbilder vor, lieblos gestaltet, dafür immer teurer. Also beschlossen sie, ihre eigenen Bildli zu machen. Zur Euro 2008 brachten sie die «Tschuttibildli» erstmals heraus – keine immergleichen Fotografien wie bei Panini, sondern gezeichnete, gemalte, geknetete oder gestickte Fussballerporträts, gestaltet von Freunden und Bekannten aus der lokalen Künstlerszene. Sie druckten 100’000 Bilder und verpackten sie von Hand in Tüten à 15 Bildli, nächtelang. Der Verkauf lief hauptsächlich über alternative Beizen. Ans Geldverdienen dachte niemand, das Ziel war eine schwarze Null, und als am Ende eben doch ein Gewinn da war, beschlossen sie, den Betrag zu spenden. Und obendrein für die WM 2010 wieder Bildli zu machen.

Künstler aus 20 Nationen haben die kultigen Sammelbilder aus der Schweiz gezeichnet.

Die Business-Idee: Kein Business. Lieber Leidenschaft

Seither sind die «Tschuttibildli» ziemlich gross geworden. Seit 2010 gibt es sie in Deutschland, seit 2016 auch in Österreich, 2018 gibt es gar einen Vertriebspartner in Grossbritannien. Die Illustratorinnen und Zeichner stammen mittlerweile nicht mehr nur aus Luzern, sondern aus Brasilien, Deutschland, Grossbritannien, Russland oder Malaysia. Gedruckt werden nicht mehr 100’000 Bilder, sondern 7,5 Millionen.

Doch die Philosophie der Bildli-Crew hat sich seit den Anfängen nicht verändert: Die «Tschuttibildli» sollen günstig bleiben, denn es geht nicht ums Geschäft – sondern darum, einen Beitrag zur Fussballkultur jenseits von Mainstream und Kommerz zu leisten. Kunst mit der Leidenschaft für Fussball zu verbinden. Die Arbeit geschieht ehrenamtlich – ein Teil des Erlöses aus dem Bildli-Verkauf geht an Terre des Hommes Schweiz, der Rest wird in die Produktion des nächsten Bildli-Jahrgangs gesteckt. Ein Heft kostet 4 Franken, eine Bildli-Tüte mit 10 Sammelbildern 1.50 Franken.

Big business ist anders. Der Spass umso grösser.

Infos und Vorverkaufsstellen unter www.tschuttiheft.li

 

 

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