Überteuerte Ticketpreise drücken Cupfinal-Euphorie

Die Berner- und Zürcher-Fans protestieren beim Meisterschaftsspiel der beiden Cupfinalteilnehmer gegen die überteuerten Cupfinal-Tickets.

Am letzten Wochenende machten beim Meisterschaftsduell der beiden Cupfinal-Teilnehmer sowohl die Zürcher- als auch die Berner Anhänger mit Spruchbändern auf die überteuerten Cupfinaltickets aufmerksam. Für Schüler oder Lernende wird der Cupfinal zum Luxus. Die Zürcher Südkurve hat sich nun dazu entschieden 300 ermässigte Tickets auf eigene Kosten an Jugendliche unter 18 Jahren zu verkaufen.

«Der Cupfinal zurück in Bern» titelte die Schweizer Presse anfangs März. Der Kampf der Schweizer Fankurven, den Cupfinal wieder im Berner Wankdorf austragen zu können, schien gewonnen. Umso grösser war die Freude der Schweizer Fussballanhänger.

Die ganze Euphorie auf den Cupfinal vom 27. Mai zwischen dem FC Zürich und den BSC Young Boys wird nun gedämpft durch eine völlig übertriebene Preispolitik des Schweizerischen Fussballverbandes. Fünfzig Franken für einen Platz in der Fankurve und 100 Franken für den günstigsten Platz auf der Tribüne wird verlangt. Diese Preise sind rund doppelt so hoch wie die normalen Tickets an Meisterschaftsspielen im Berner Fussballstadion und um einiges höher als beim letztjährigen Cupfinal.

Kein Fussballfest für alle?

Beim Meisterschaftsduell der beiden Cupfinal-Teilnehmer vom vergangenen Wochenende machten die Zürcher- als auch die Berner Anhänger mit verschiedenen Spruchbändern auf die übertriebenen Ticketpreise aufmerksam. «Diese Preise sind zu hoch und widerspiegeln eine Preispolitik, die offenkundig nicht zum Ziel hat, ein Fussballfest für alle zu ermöglichen.», schreibt die Zürcher Südkurve auf ihrer Website.

«Für Schüler oder Lernende wird der Cupfinal zum Luxus. Wer vorhatte, das Spiel mit seiner Familie von der Tribüne aus zu verfolgen, muss mit Ausgaben von mehreren hundert Franken rechnen.» Vergünstigungen beispielsweise für Studierende oder jüngere Fans unter 14 Jahren gibt es nicht, alle werden vom SFV gleichermassen zur Kasse gebeten.

Die Sürdkurve hat sich nun entschieden ein Zeichen zu setzen und will 300 ermässigte Karten für den FCZ-Sektorauf eigene Kosten an Jugendliche unter 18 Jahren verkaufen, die Südkurve übernimmt 15 Franken pro Ticket.

Sie fordert den SFV in ihrem Statement dazu auf, sich für eine solidarische Preispolitik einzusetzen und den Fussball allen zugänglich zu machen.


Statement der Zürcher Südkurve (10. April 2018):

Ein Cupfinal für möglichst alle

Die Ticketpolitik für den Cupfinal sorgt für Kopfschütteln unter den Anhängern des FCZ. Während für Tickets in den Kurven 50 Franken verlangt werden, sind für solche auf den Tribünen 100 oder 120 Franken fällig. Diese Preise sind zu hoch und widerspiegeln eine Preispolitik, die offenkundig nicht zum Ziel hat, «ein Fussballfest für alle» zu ermöglichen (Zitat des Berner Stadtpräsidenten von Graffenried). Für Schüler oder Lernende wird der Cupfinal zum Luxus. Wer vorhatte, das Spiel mit seiner Familie von der Tribüne aus zu verfolgen, muss mit Ausgaben von mehreren hundert Franken rechnen.

Aufgrund der verfehlten Preispolitik hat die Zürcher Südkurve entschieden, 300 ermässigte Tickets für den FCZ-Fansektor an Jugendliche unter 18 Jahren zu verkaufen. Dies ist ein Zeichen gegen die horrenden Ticketpreise am Final, die nochmals höher sind als beim Final im vergangenen Jahr und rund doppelt so hoch wie die Preise für dieselben Plätze im gleichen Stadion in der Meisterschaft.

Pro Ticket übernimmt die Zürcher Südkurve 15 Franken, sodass die 300 Tickets für 35 Franken pro Stück zu kaufen sind. Pro Person wird nur ein ermässigtes Ticket verkauft. Der Verkauf findet am 4. Mai ab 19 Uhr im Attika an der Hohlstrasse 452 statt.

Bei dieser Gelegenheit soll darauf hingewiesen werden, dass das Vorgehen des Schweizerischen Fussballverbandes bezüglich Cupfinal höchst fragwürdig ist. Ein Final in Bern gründet in der Schweizer Cuptradition, auch wenn der Charme des alten Wankdorfs mit dem Stade de Suisse gänzlich verschwunden ist. Mit einem Final auf Kunstrasen werden jedoch einseitig Vorteile für einen Finalteilnehmer geschaffen, welcher jedes seiner Heimspiele auf dieser Unterlage austrägt.

Zudem: Nachdem die Stadt Bern jahrelang eine nochmalige Ausführung des Finals explizit ablehnte, sind nun mit der Finalteilnahme YBs plötzlich sämtliche Bedenken verflogen. Weder Sicherheitsbedenken noch die damit verbundenen finanziellen Risiken, die in der öffentlichen Debatte gerne ins Feld geführt wurden, scheinen mehr Argumente dagegen zu sein.

Die vermeintliche Meisterschaftseuphorie rund um YB wird vom SFV mittels der Ticketpreise finanziell ausgeschlachtet, um die von der Stadt Bern auferlegten Sicherheitskosten zu decken. Das vom SFV vorgebrachte Argument, wonach im Ticketpreis auch die Anreise per ÖV an das Spiel inbegriffen ist, ist ein scheinheiliges. Die Kopplung des Tickets an eine von den Behörden diktierte Anreise ist ein Schritt in Richtung Kombiticket, egal wie man es darstellt. Fans sollen selber bestimmen dürfen, wie sie zum Stadion anreisen, um ihren Verein zu unterstützen.

Die ermässigten Tickets für die Jungen in der Kurve sind ein bescheidener Beitrag, um den Zugang zum Cupfinal möglichst vielen zu ermöglichen. Es liegt nicht nur an der Kurve, sondern vor allem am Fussballverband, sich für eine solidarischere Preispolitik einzusetzen und dafür zu sorgen, dass der Fussball allen zugänglich ist.

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