St. Gallen- und Sion-Anhänger kündigen Boykott an

Die St. Gallen-Fans werden nicht wie gewohnt im Gästesektor Platz nehmen.

Für die 24. Runde der Nati A vom kommenden Wochenende, werden gleich zwei Schweizer Fankurven mit Boykott-Aktionen auf sich aufmerksam machen. Die St. Galler-Fans werden in Luzern statt im Gästesektor auf einen anderen Sektor ausweichen und die Sion-Anhänger werden ihrem Auswärtsspiel in Neuchâtel ganz fernbleiben.

«In einer Gesellschaft, in der die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die Bindung an die Stadt, Liebe zum Trikot und zu seinen Farben alte und romantische Werte sind, müssen wir feststellen, dass heutzutage dieselben Werte offen kriminalisiert werden», mit diesen Zeilen kündigen die Gruppen des «Gradin Nord» offiziell an, dass sie diesen Samstag nicht nach Neuchâtel reisen werden. Sie werden gegen die Repressionen, denen sie ausgesetzt waren, protestieren. Statt nach Neuenburg zu reisen, werden sie am Samstag ihr Reserveteam im Tourbillon anfeuern.

Das Communiqué der Sion-Fans:

Ebenfalls haben Anfangs dieser Woche die Anhänger des FC St. Gallen angekündigt bei Ihrem Auswärtsspiel in Luzern vom kommenden Sonntag auf eine gemeinsame Anreise per Extrazug zu verzichten und das Spiel anstatt im Gästesektor im benachbarten Sektor D1 zu verfolgen. Mehrere negative Vorkommnisse bei Auswärtsspielen in Luzern in den letzten Jahren hätten dazu geführt. «Abgespielt haben sich diese jeweils entweder auf der behördlich organisierten An- & Abreise zum Stadion oder im respektive vor dem Gästesektor», wie der Dachverband 1879 auf seiner Website mitteilt.

Der FC Luzern verurteilt die geplante Aktion der St. Galler Fans in einer aktuellen Medienmitteilung aufs schärfste.

Hier das vollständige Communiqué des Dachverbands 1879:

Informationen zum Auswärtsspiel in Luzern:

Anlässlich der vergangenen FCSG-Auswärtsspiele in Luzern gab es in den letzten Jahren vermehrt negative Vorkommnisse. Abgespielt haben sich diese jeweils entweder auf der behördlich organisierten An- & Abreise zum Stadion oder im respektive vor dem Gästesektor. Um diese negative Dynamik zu durchbrechen, hat sich die aktive Fanszene dazu entschlossen, das kommende Auswärtsspiel gegen den FC Luzern nicht im Gästesektor zu verfolgen und auf eine gemeinsame Anreise per Extrazug zu verzichten.
Die Gründe dafür sind zahlreich:

  • Das Einlassprozedere im Gästesektor ist trotz des angeblichen Good-Hosting-Konzepts eine Zumutung: (Zu) wenige Eingänge, angedrohte unverhältnismässige Kollektivstrafen, flächendeckende Personenkontrollen, sowie langwierige und übertriebene Eingangskontrollen.
  • Der Gästebereich gehört trotz leichtem Umbau noch immer zu den Sektoren mit der schlechtesten Sicht auf das Spielfeld in der ganzen Schweiz. Für den (stolzen) Preis der Gästetickets sollte zumindest freie Sicht auf das Spielfeld für alle Gästefans erwartet werden können.
  • Getroffene Abmachungen zwischen Fans, Verein und Behörden wurden nicht eingehalten. So wurden beispielsweise trotz gegenseitigen Kompromissen und anderslautender Versprechen gegen mehrere Fans nachträglich mehrjährige Stadion- und Rayonverbote ausgesprochen.
  • Mehrfach wurden Choreografien und Spruchbänder unter fadenscheinigen Begründungen nicht ins Stadion gelassen.
  • Das offensive Auftreten der Luzerner Polizei auf dem Hin- und Rückweg zum Stadion lässt zudem nur den Schluss zu, dass in der Innerschweiz nach wie vor eine Strategie der Konfrontation statt der Deeskalation verfolgt wird.

Wir sind uns bewusst, dass wir einen Teil zur aktuellen Situation beigetragen haben. Mit der getroffenen Entscheidung möchten wir deshalb den Raum öffnen für eine konstruktive und lösungsorientierte Diskussion. Dies mit der Hoffnung, dass zukünftig wieder der sportliche Wettkampf im Zentrum steht.

Um unsere Mannschaft trotzdem lautstark und friedlich zu unterstützen, rufen wir deshalb alle FCSG-Fans dazu auf ebenfalls individuell anzureisen und das Spiel gemeinsam im Sektor D1 zu verfolgen.

Tickets für den Nebensektor gibt es bei den üblichen Vorverkaufsstellen, online und an der Tageskasse. Ausserdem wird kommenden Donnerstag ein kleines Kontingent an Tickets im Bierhof verkauft. Wir bitten euch zudem auf auffällige Fankleidung/-utensilien zu verzichten und Provokationen gegenüber anderen Fans und der Polizei zu unterlassen!

Quelle: dv1879.ch

112Shares