«Repressive Forderungen sind selten zielführend»

Screenshot SRF

Nach dem Spielabbruch in Sion vom 16. März, veröffentlicht die Fanarbeit Schweiz heute ein Communiqué in dem sie darauf hinweist, dass gewalttätige Vorfälle in Schweizer Stadien in den letzten 10 Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind und erzwungene Spielabbrüche in der Schweiz eine schwere Ausnahme darstellen.

Wir veröffentlichen hier die Stellungnahme der Fanarbeit Schweiz:

Stellungnahme zum Spielabbruch in Sion vom 16. März 2019 – Fanarbeit Schweiz

Einmal mehr stehen nach diesem Vorfall in der medialen Aufarbeitung der Einsatz und der Umgang mit pyrotechnischem Material im Mittelpunkt. Für Fanarbeit Schweiz ist klar, dass man den Vorfall am Samstag nicht mit den «üblichen» Pyroaktionen in den Schweizer Stadien gleichsetzen darf. Der Vorfall von letztem Samstag stellt im Vergleich zur allgemeinen Situation in den Stadien eine klare  Grenzüberschreitung dar. Wir plädieren dafür, dieses Spiel folgerichtig auch als Einzelfall zu beurteilen und verallgemeinernde Schlussfolgerungen zu unterlassen.

Der Vorfall mit dem erzwungenen Spielabbruch in Sion stellt in seiner Schwere eine Ausnahme dar. Dass Fans eines Vereins mit ihren Aktionen einen Spielabbruch provozieren, ist alles andere als Ligaalltag in der Schweiz. Im Gegenteil: Gewalttätige Vorfälle in den Schweizer Stadien sind in den letzten 10 Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Einzelfälle wie in Sion zeigen aber auch auf, dass trotz vielen Bemühungen Vorfälle an solchen Grossveranstaltungen nie ganz ausgeschlossen werden können.

Grundsätzlich muss die Verwendung von Pyrotechnik als Waffe oder Wurfgegenstand wie im vorliegenden Fall vom allgemein üblichen Einsatz als Stimmungsmittel unterschieden werden. Der Grund dafür liegt in den offensichtlichen Unterschieden im Gefahrenpotenzial der Verwendungsarten. Die Verwendung von Pyrotechnik als Waffe oder Wurfgegenstand stuft Fanarbeit Schweiz als gefährlich ein und lehnt diese klar ab. Aus Sicht von Fanarbeit Schweiz stellt das Abbrennen von Pyrotechnik als Stimmungsmittel keine physische Gewalttat im eigentlichen Sinne dar.

Die reflexartige Forderung nach zusätzlichen repressiven Massnahmen nach Vorfällen wie am Samstag, sind mittlerweile zwar an der Tagungsordnung, erfahrungsgemäss aber selten zielführend. Fanarbeit Schweiz stellt fest, dass die Nulltoleranz-Strategie und damit sämtliche bisherigen repressiven Massnahmen zur Eliminierung von Pyrotechnik gescheitert sind. Erfahrungen in anderen Ligen zeigen im Gegenteil, welche Ergebnisse mit einem liberaleren Umgang in dieser Thematik erzielt werden können.

Fankurven sind komplexe soziale Gebilde, eine Steuerung von aussen entsprechend schwierig. Nur wer sich ernsthaft mit den Ideen und Anliegen einer Fankurve auseinandersetzt, kennt die Mechanismen einer Fankurve, kann mögliche Entwicklungen antizipieren und bestenfalls Vorfälle wie in Sion verhindern. Nicht mittels repressiver Massnahmen, sondern mit Hilfe des Dialogs.

Fanarbeit Schweiz setzt sich für friedliche und möglichst reibungslose Spiele ein und wird auch weiterhin ihre Sichtweise zum Umgang mit Pyrotechnik in die laufenden Diskussionen einbringen.

Bern, 20. März 2019, Fanarbeit Schweiz

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